Was Katzenvideos mit Führung zu tun haben

Ein RAC≡L®-Gedanke zum Thema Führung

Verfasst am 11. Februar 2019 von Ralf Klaus Lorenz

Neulich hat mir eine Bekannte berichtet, sie hätte im Büro in ihrer Mittagspause Katzenvideos geschaut, als ihr Chef reinkam. An sich nichts außergewöhnliches, aber die Schilderung, dass ihr Chef mitgeschaut hat, die Videos genauso süß und lustig fand und ihre Reaktion darauf war bemerkenswert. Sie hat mir das voller Überraschung, aber auch Respekt erzählt. Ihr (nebenbei bemerkt neuer) Chef hat mit dieser Aktion Punkte gutgemacht und Achtung erlangt.

Aus meiner Sicht ein perfektes Beispiel dafür, dass Aufmerksamkeit für das, was Mitarbeiter bewegt, und das sind Katzenvideos in erstaunlichem Maße, einen direkten Einfluss auf das Verhältnis zwischen Führungskraft und Mitarbeiter hat. Meine Bekannte hat dieses Verhalten nicht mit der Einschätzung verbunden, wie weichgespült er sei. Ebenso wenig, dass ein solches Verhalten für eine Führungskraft ja gar nicht gehen würde, immerhin müssten Chefs durchsetzungsstark, entscheidungsfreudig und wenig emotional sein. Nein, im Gegenteil, ihr neuer Chef hat durch diese kleine Geste, die nicht mal 4 Minuten gedauert hat, einen so bleibenden Eindruck der Menschlichkeit, der Emotionalität und menschlicher Größe erzielt, dass er richtig intensiv gepunktet hat. Meine Bekannte geht jetzt für ihn durchs Feuer. Das Spannende daran ist, dass sich durch diese kurze Episode in dem gesamten Team die Zufriedenheit und die Loyalität erhöht hat.

Ich denke die Begründung ist auch gar nicht so schwer zu finden: der „Neue“ hat gezeigt, dass er sich mit seinen Mitarbeitern auf Augenhöhe befindet, dass er aufmerksam ist für das, was seine Mitarbeiter bewegt und sie respektiert. In diesem Fall waren es die Katzenvideos, in anderen Fällen sind es andere Anlässe. Dabei war es aber wichtig, dass die Mitarbeiterin mit dem Schauen angefangen hat. Die Situation hätte sich bestimmt anders entwickelt und eher für Befremden gesorgt, wenn er in der Pause gekommen wäre und unmittelbar, ohne einen Bezug, die entsprechenden Youtube-Videos gezeigt hätte. Dann wäre der Erklärungsaufwand sicherlich höher gewesen. Das zeigt aber auch, dass es wichtig ist, zwischen Aktion und Reaktion zu unterscheiden, gerade in der Führung. An dieser Stelle erinnere ich gerne an meinen Blog zum Thema passive und aktive Führung (https://www.rac-l.com/our-blog/passive-und-aktive-fuehrung/). Insbesondere das intuitive Reagieren betrifft beide Aspekte. Der Anteil, der der passiven Führung zuzuordnen ist, hat mit dem empathischen und vorbildlichen Verhalten zu tun. Mit der Öffnung nach außen und dem Zeigen und Leben von Emotion. Der aktive Teil ist der, dafür zu sorgen, dass die Arbeitsinhalte möglichst optimal erledigt werden und das Betrachten der einschlägigen Ablenkung nur zur Erholung und zum mentalen Ausspannen dient und nicht den gesamten Arbeitsalltag beherrscht. Das Faszinierende dabei ist, dass das entsprechende Dosieren viel effizienter und nachhaltiger funktioniert, wenn sich die Führungskraft nicht rauszieht, sondern im Gegenteil beteiligt.

Im Führungsalltag stehen die Katzenvideos aber nur beispielhaft für alle die Dinge und Begebenheiten, die uns und unsere Mitarbeiter bewegen, die dazu führen, dass wir auch mal an etwas anderes denken und damit die Leistungsfähigkeit bewahren und sichern. Wir sind nun mal so gestrickt, dass wir nur in Ausnahmesituationen über längere Strecken hochkonzentriert und angestrengt arbeiten können. Wenn wir uns in einem „Normalmodus“ befinden, sucht sich unser Gehirn, sobald es sich überlastet fühlt selbst die Erholung. Jeder von uns hat sicherlich bei sich selbst schon mal beobachtet, dass bei einer längeren Lektüre die Gedanken schon mal abschweifen und der ein oder andere Satz öfters gelesen werden muss. Je schwerer und anstrengender die Kost ist, umso stärker ist dieses Phänomen ausgeprägt. Der Gesetzgeber trägt diesem Umstand Rechnung, indem er Pausen im Arbeitszeitgesetz fixiert und geregelt hat. Jede Führungskraft sollte aber schon im ureigensten Interesse an qualitativ und quantitativ hochwertig erledigten Arbeitsinhalten diese Regeneration aktiv betreiben.

Aus rein psychologischer Sicht haben aber gerade die Katzenvideos hier einen enormen Effekt, weil sie die tiefsten Emotionen in uns ansprechen, nahezu sofort zu einer merklichen Entspannung führen und so absolut effektiv sind. Aus physiologischer Sicht führen sie, weil sie ja meist auch noch lustig sind, zu intensivem Schmunzeln oder sogar herzhaftem Lachen. Damit wird die muskuläre Entspannung, die Durchblutung und Sauerstoffversorgung optimal gewährleistet. Sie sehen also, es führen doch alle Wege zum Katzenvideo. ;-)

Nein, aber mal ernsthaft, Mittel der Wahl sollte das sein, was den Mitarbeitern wichtig ist, was sie bewegt, was ihnen Spaß macht. Nur wenn Sie als Führungskraft Ihre Mitarbeiter auch in diesen Belangen unterstützen, können Sie effiziente Leistung in allen Bereichen fordern und erwarten.

Sie werden sehen, wenn Sie in Respekt und Aufmerksamkeit investieren, werden Sie Respekt, Aufmerksamkeit und Leistung ernten, versuchen Sie es mal.

In diesem Sinne: führen Sie gut, auch und vor allem sich selbst!

 

Zum Autor:

Ralf Klaus Lorenz ist Dipl. Kaufmann und Wirtschaftsjurist und seit über 20 Jahren in verantwortlicher Position im Personalwesen tätig. Er verfügt sowohl in der Metall-/Elektro und der Lebensmittelindustrie, als auch im Groß- und Einzelhandel und der Dienstleistung über praktische Erfahrung. Seit nunmehr über sechs Jahren verantwortet er eine Personalmanagementberatung und ist neuerdings lizensierter RAC≡L® Berater und RAC≡L® Leadership Trainer und Coach.

Redakteur: Max Lill

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